In den letzten zwei Monaten war viel los: In den USA sind die sog. „Holidays“ (Feiertage) sehr wichtig und werden mehr gefeiert als z. B. Geburtstage.

Im Oktober war Halloween. Im Gegensatz zu vielen amerikanischen Familien haben wir uns nicht verkleidet, um zum „Trick or Treating“ (Süßes oder Saures) zu gehen. Stattdessen sind wir am Halloween-Abend zu unserer Kirche gefahren, wo ein „Trunk or Treating“ stattgefunden hat. „Trunk or Treating“ ist nicht sehr verbreitet, macht aber viel Spaß: Man gestaltet den Kofferraum („trunk“) des Autos und verteilt Süßigkeiten an verkleidete Kinder. Außerdem gibt es Kaffee, heiße Schokolade, Torwandschießen und Ponyreiten. Wir haben unser Auto zu einem Schuhladen gemacht und Süßigkeiten an über 800 Leute verteilt.
Am letzten Donnerstag im November war Thanksgiving. Thanksgiving wird meistens mit allen Generationen der Familie gefeiert und man dankt Gott für die Zeit zusammen – und für alles, was Gott für uns macht. Wir haben den Tag im Haus meines Onkels verbracht. Dort gab es ein traditionelles Thanksgiving-Dinner mit Truthahn, Füllung, Kürbiskuchen, Kartoffelbrei u.v.m. Abends sind wir ins Kino gegangen – eine langjährige Tradition meiner Familie. Am Tag nach Thanksgiving haben wir unseren Tannenbaum aufgestellt und das Haus für Weihnachten geschmückt. In den folgenden Tagen und Wochen haben wir viele Weihnachtsfilme geguckt und jede Menge Kekse gebacken.
Heiligabend ging es abends zur Kirche. Dort haben wir einen besonderen Kerzenlichtgottesdienst gefeiert. Am Weihnachtsmorgen sind alle früh aufgewacht und haben sich um den Baum versammelt, um die Geschenke auszupacken. Zuerst hat jeder ein „Geschenk vom Weihnachtsmann“ bekommen. Ich habe eine Art Lederjacke („Varsityjacket“) gekriegt. Danach haben wir alle zur gleichen Zeit die anderen Geschenke geöffnet. Zum Schluss haben wir unser „Stocking“ (Strumpf, der am Kamin hängt) bekommen – darin waren Kleinigkeiten wie Socken und Schokolade. Zum Essen ist die Familie meiner Gastmutter (ca. 40 Leute) zu uns nach Hause gekommen und jeder hat etwas mitgebracht. Ich habe deutschen Kartoffelsalat gemacht. Nach dem Essen wurden Familienfotos gemacht, wir haben uns unterhalten und sind ins Kino gegangen.
An Silvester kamen Freunde zu uns nach Hause und zusammen haben wir Raclette gemacht. Das Raclettegerät hat meine Gastfamilie vor ein paar Jahren von der Familie einer ehemaligen Austauschschülerin bekommen. Da bis zum Jahr 2011 keine Raketen in Michigan erlaubt waren, hat mein Gastvater mich und meine Schwester zu einer benachbarten Stadt gebracht, wo wir uns um Mitternacht den „Balldrop“ (Neujahrsbrauchtum) und ein großes Feuerwerk angeschaut haben. Wieder zu Hause haben wir uns dann allen ein gutes neues Jahr gewünscht und einige Spiele gespielt, unter anderem „Stadt, Land, Fluss“ mit englischen Kategorien.
Ich habe die amerikanischen Feiertage sehr genossen und hatte viel Spaß mit meiner Familie. Es war sehr interessant und aufregend, wie unterschiedlich hier gefeiert wird! Viele deutsche Freunde haben mich gefragt, ob ich über Weihnachten nach Hause kommen würde. Ich kann nur sagen, dass ich sehr froh bin, dass ich nicht nach Hause gegangen (meine Austauschorganisation erlaubt das sowieso nicht), sondern hier geblieben bin und ein ganz anderes, wunderbares Weihnachten erleben durfte.
Kaum zu glauben, dass ich jetzt schon seit fast einem halben Jahr in den USA bin. Ich habe hier ein zweites zu Hause gefunden bei einer Familie, die mich liebt – so wie ich bin.