Veröffentlicht von Doris Hüls am Fr., 20. Mai. 2016 10:04 Uhr

In der Bibel sind viele Weisheiten über Freundschaft und auch so manche Geschichten über Freunde zu finden. Manchen kann man zustimmen, andere provozieren.

Die erste Erwähnung findet das Wort „Freund“ im zweiten Buch Mose an der Stelle, als von der Beziehung von Gott zu Mose gesprochen wird: „Der HERR aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet“. Mose begehrt darauf, Gott zu sehen - so wie man eine Freundin oder einen Freund ansieht: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen“. Dies aber verwehrt Gott ihm. Mose darf ihm nur hinterher sehen (nachzulesen in 2. Mose 33). Gott, an den man sich im Gebet vertrauensvoll wenden kann, ist eben nicht nur der nahe Freund, sondern auch das unerklärbare und unnahbare Gegenüber. Beide Momente gehören zum Gottesglauben.

Im Hiobbuch spielen Freunde eine große Rolle. Hiob, der leidende Gerechte, macht die Erfahrung, dass seine Freunde ihn besuchen und trösten, als ihm großes Leid widerfährt. Miteinander schweigen können, ist also seit jeher ein Kennzeichen von guter Freundschaft „Sie trauerten sieben Tage und Nächte mit ihm und redeten nichts mit ihm, denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war“. Dass aber Erklärungen für das Leid seitens der Freunde das Gegenteil bewirken, ist auch eine heutige Erfahrung. Im Hiobbuch wird auch davon berichtet. Die Freundschaft zerbricht. Die Freunde verurteilen und verlassen Hiob. Gott aber bleibt bei ihm, denn Hiob hielt ihm auch im Leiden die Treue - so die theologische Aussage des Hiobbuches. Die Situation endet gut für Hiob. Das Buch Hiob, das die Grenzen in menschlichen Freundschaften thematisiert, behandelt gleichzeitig das immer aktuelle Thema nach dem Leid in der Welt.

Erwähnt seien noch die zahlreichen Weisheiten über die Anforderungen einer Freundschaft. Sie sind vor allem zu finden im Buch der Sprüche im Alten Testament - zu einer wahren Freundschaft - heißt es dort - gehört Treue: „Ein Freund liebt allezeit, und ein Bruder wird für die Not geboren“. Aber auch die Gefährdung einer Freundschaft durch falsche Rede wird nicht außer Acht gelassen: Im 16. Kapitel ist zu lesen: „Ein falscher Mensch richtet Zank an und ein Verleumder macht Freunde uneins“. Und dass eine gute Freundschaft gepflegt werden muss, ist auch schon im Buch der Sprüche zu finden: „Das Herz freut sich an Salbe und Räucherwerk, und süß ist der Freund, der wohlgemeinten Rat gibt. Von deinem Freund und deines Vaters Freund lass nicht ab. Ein Nachbar in der Nähe ist besser als ein Bruder in der Ferne“. Eine Freundschaft verlangt klare Worte: Eine wahre Freundin oder ein wahrer Freund verfährt ehrlich mit einem, auch wenn seine Zurechtweisungen weh tun. Die Schläge der Freundin oder des Freundes meinen es gut; aber die Küsse des Hassers sind trügerisch.
Die Jünger von Jesus (Jüngerinnen hat es wohl auch gegeben, auch wenn sie nicht ausdrücklich erwähnt sind), wird man auch als Freunde bezeichnen können. Beim Lesen der Evangelien wird deutlich, dass von der gegenseitigen Begleitung, dem Teilen des Alltags, der Sorgen, der Geschichten, des Gebets auch der Verrat oder die Angst mit zu einer Freundschaft dazugehören kann. Nur Maria und Johannes standen zum Schluss unter dem Kreuz Jesu. Die anderen Freundinnen/Freunde hielten das nicht aus. Und dennoch gilt auch ihnen das Versprechen wie der Evangelist Matthäus es überliefert: Jesus Christus spricht: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

von Christa Olearius

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