Veröffentlicht von Doris Hüls am Fr., 20. Mai. 2016 10:30 Uhr

„Vernetze dich mit Freunden weltweit“ ist Facebooks Werbeslogan. Diese Website ermöglicht es Menschen, durch einen Mausklick eine „Freundschaftsanfrage“ an jemand anderen zu schicken. Dieser kann die Anfrage dann entweder annehmen oder ablehnen. Nimmt er sie an, hat die/der neu gewonnene „FreundIn“ die Möglichkeit, alle Dinge zu sehen, die du mit dem Internet teilst. Sei es deine Schulausbildung, deine Hobbys, dein Beziehungsstatus oder Bilder, die du aus dem Urlaub postest (posten bedeutet, Dinge auf sein Profil zu laden oder zu schreiben, die deine Facebook-Freundinnen oder -Freunde dann sehen und kommentieren oder durch einen „Like“ (= mag ich) bewerten können).

Die Höchstgrenze für Freundinnen/Freunde auf Facebook beträgt 5 000. Ist diese Zahl erreicht, können keine weiteren „Freundschaftsanfragen“ mehr versendet oder angenommen werden. Ich denke, diese Zahl gibt schon Aufschluss darüber, wie freundschaftlich die Beziehung zwischen einer Nutzerin oder einem Nutzer und ihren oder seinen „FacebookfreundInnen“ ist, nämlich gar nicht. Es handelt sich bei Facebook um eine reine Selbstdarstellung. Man „added“ (verschickt eine Freundschaftsanfrage) alle, deren Namen man schon mal irgendwo gehört hat oder deren Bild einem irgendwie bekannt vorkommt. Je mehr Freundinnen oder Freunde man auf Facebook hat, desto mehr potentielle Leute, die deine Bilder oder Wortbeiträge liken (= mögen), kommentieren oder teilen, hat man damit. Und wer viele „Likes“ bekommt, gilt als „cool“ oder „beliebt“. Mit den meisten Menschen, mit denen man auf Facebook befreundet ist, spricht man aber nie auch nur ein Wort, teilweise kennt man sie nicht einmal wirklich. Und mit einem Problem oder einem Anliegen würde man sich schon gar nicht an sie wenden.

Dann gibt es auch noch Whatsapp. Dies ist ein Programm, welches man auf seinem Smartphone installieren kann (eine App). Man meldet sich dort mit seiner Handynummer an. Alle Leute, die deine Handynummer auf ihrem Smartphone gespeichert haben und ebenfalls bei Whatsapp angemeldet sind, haben so die Möglichkeit, dir über diesen „Kurznachrichten-Messenger“ Nachrichten zu schicken. Das ist im Prinzip wie SMS, nur dass Whatsapp übers Internet funktioniert und die Nutzung kein Geld kostet.

Whatsapp gibt einem also die Möglichkeit, immer und überall mit seinen FreundInnen verbunden zu sein (vorausgesetzt man hat Internet) und von überall her Nachrichten zu versenden.

Allerdings werden über Whatsapp schon lange nicht mehr nur kurze Informationen verschickt. Vielmehr ist man dauerhaft im Gespräch mit mehreren FreundInnen, zumeist über irgendwelche Belanglosigkeiten.

Natürlich bietet es auch die Möglichkeit, in Gruppen, die man erstellen kann, Nachrichten zu versenden und so Dinge zu organisieren und zu besprechen. Häufig führt dies aber zu endlosen Diskussionen ohne Ergebnis.

Da man ja dauerhaft mit seinen FreundInnen schreibt, sitzt man ihnen nicht gegenüber wie bei einer Unterhaltung und sieht daher auch nicht deren Gesichtsausdruck, man kann also eine Nachricht nicht richtig interpretieren, trotz der Smileys (= Gefühlsgesichter) die oftmals mitgesendet werden. Dadurch kommt es des Öfteren zu Missverständnissen und infolgedessen zu Streiterei­en, die nicht notwendig gewesen wären und sich durch ein Treffen oder ein Telefonat in fünf Minuten hätten klären lassen. Man versucht aber lieber, die Angelegenheit über Whatsapp zu regeln und schreibt so die ein oder andere Sache, die man persönlich nie gesagt hätte und auch eigentlich gar nicht so meint.
Und auch Verabredungen sind durch soziale Netzwerke weniger zuverlässig geworden. Man hat ja immer die Möglichkeit noch eben zu schreiben, dass man doch keine Zeit hat oder 10 Minuten später kommt....

von Julia Henkenborg

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