Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 28. Mär. 2017 18:47 Uhr

Wenn wir das Wort „Ostern“ hören oder sagen, ist eigentlich alles klar: es geht um die Auferstehung von Jesus, vielfach im Neuen Testament belegt, Teil unseres Glaubensbekenntnisses. Also am dritten Tage auferstanden von den Toten - Karfreitag gekreuzigt und gestorben, Ostersonntag auferstanden. Vielen ist auch bekannt, dass das jüdische Passah oder Pessach praktisch der Vorläufer von Ostern ist. Es erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten. Die Sklaverei ist beendet, ein neues Leben beginnt.

Für die Christen ist die Auferstehung ein zentraler Glaubensinhalt. Deshalb wurde die Auferstehung, also Ostern, zunächst jeden Sonntag gefeiert, als Herrentag. Nach verschiedenen Streitereien einigte man sich schließlich, Ostern als Jahresfeier zu feiern, erstmalig wohl im 2. Jahrhundert in Rom. In Anlehnung an die jüdische Tradition nannte man das Fest nun Passah.
Soweit wissen wir also einigermaßen Bescheid und nun wird es interessant. Ostern ist ein beweglicher Feiertag, weil es dem sogenannten Mondkalender folgt, dem ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond und der liegt zwischen dem 22. März und 25. April - in jedem Jahr unterschiedlich. Das soll (Genaues weiß man nicht) vom Erzbischof Athanasius um 325 n. Chr. angeordnet worden sein. Die orthodoxen Kirchen sehen das anders - aber das führt uns hier zu weit.

Völlig unklar ist, woher der Name „Ostern“ überhaupt kommt. Seit dem 8. Jahrhundert existiert der Name „Eostro“. Der lässt sich (vermutlich) aus „eos“ (griechisch Sonne) und „Aurora“ (lateinisch Morgenröte) zurückführen. Der christliche Bezug könnte bei Markus 16,2 liegen, als Frauen (Maria Magdalena und andere) „sehr früh, als die Sonne aufging“ das Grab Jesu besuchten und es leer fanden.

Da es durchaus zur christlichen Missionierungspraxis gehörte, christliche Feiertage auf traditionelle heidnische zu setzen, lag es nahe, die germanische Göttin Ostara als Namensgeberin für Ostern zu vermuten. Nach heutigem wissenschaftlichem Stand ist das aber sehr unwahrscheinlich, weil es keinerlei Belege dafür gibt.

Da die Sonne ja bekanntlicherweise im Osten aufgeht (englisch east) könnte wieder Markus 16,2 ein Indiz dafür sein, woher Ostern = Osten, easter = east seinen Namen hat.

Soweit ich weiß, kennen nur der deutsche und angelsächsische Sprachraum den Begriff „Ostern“. Sonst in Europa und in der Welt wird das Fest der Auferstehung nach dem jüdischen Passah benannt. Etwa „pâques“ in Frankreich, „pasen“ in den Niederlanden, „paske“ in Dänemark. Der Grund dafür ist wohl, dass der Missionar Bonifatius in Norddeutschland und England arbeitete und den Begriff „ostarum“ gebrauchte, während sonst - auch in Nordwest- und Süddeutschland - sehr lange „Paschen“ für das Auferstehungsfest üblich war, ehe sich dann „Ostern“ durchsetzte.

von Hartmut Schwartz
Foto: flickr CC/hoyasmeg

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