Veröffentlicht von Doris Hüls am Mi., 17. Mai. 2017 11:10 Uhr

„Und was Süßes zum Dessert … und der Papst war auch schon da.“ Erinnern Sie sich? Marius Müller-Westernhagen besingt die Freiheit. Und auf seinen Konzerten schmettern Tausende den Text auswendig mit. Freiheit ist also das einzige, was zählt.

Für die meisten von uns ist die Freiheit selbstverständlich. Wir sind nicht hinter der Mauer aufgewachsen und wir wurden nicht, wie die koptischen Christen in Ägypten, zur Zielscheibe des Terrors. Der Besitz eines deutschen Reisepasses ermöglicht das Entdecken und Reisen in vielen Ländern. Selbstverständlich dürfen wir uns auch in unserem Alltag frei entscheiden, für unsere Partner oder die Form unserer Beziehungen, in denen wir leben. In den Supermärkten gibt es ein schier unglaubliches Angebot, und ich darf lustvoll aus einem riesigen Sortiment aussuchen: eine vegane Salami oder doch das klassische Rinderfilet. Wie ist es um die Freiheit bestellt und wie frei oder wie abhängig sind wir wirklich ?

Martin Luther war ein Vielschreiber. 1520 verfasste er eine bedeutsame Abhandlung, die den Titel „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ trägt. Dieser Sendbrief an Papst Leo X. kann als Darlegung seines Glaubens verstanden werden. In dreißig Sinnabschnitten führt Luther entscheidendes zur christlichen Existenz aus. Dabei differenziert er zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen, der geistlichen und der fleischlichen Natur. Mit dieser Schrift wendet sich Luther an alle Christen, die ja durch ihre Taufe Priester und Priesterinnen sind.

Als Christenmensch bin ich nicht in erster Linie „frei von etwas“, sondern vor allem „frei zu etwas“. Dieser Freiheitsbegriff setzt natürlich die Existenz Gottes voraus, der wir Menschen uns einzig und allein zu verdanken haben. In unserem Leben feiern wir Erfolge, aber gleichzeitig scheitern wir und werden schuldig. Um Christi willen werden wir frei gesprochen und wenn wir am Karfreitag einen Beichtgottesdienst feiern, bekommen wir das auch einmal auf den Kopf zugesagt: „In der Vollmacht, die der Herr seiner Kirche gegeben hat, spreche ich dich los: Dir sind deine Sünden vergeben. Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Wir dürfen neu beginnen und was immer in unseren Gottesdiensten an Verkündigung, Taufe und Abendmahl geschieht, macht christliche Freiheit real und handfest.

Das gute Werk bzw. die Tat ist dann selbstverständlich, auch wenn dieses mich nicht gerecht macht. Allein das Wort Gottes ist für die Seele wichtig. Als Mensch bin ich frei, Gott und den Menschen zu dienen. Luther bringt es ganz trefflich auf den Punkt: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht und jedermann untertan.“ Luther leitet diese Kernsätze aus den Briefen des Paulus an die Korinther (1. Kor. 9,19), die Römer (Röm 13,8) und die Galater (Gal 4,4) ab. Mit der durch den Glauben gewonnen Freiheit lebt der Christenmensch nicht in sich selbst, sondern in Christus. Dadurch ist er frei, Gott und dem Nächsten zu dienen.

Frei ist also derjenige, der sich mit allen Kräften seiner Seele an Christus bindet und ihm gehört. Diese Freiheit zählt wirklich und wenn ich Marius wieder einmal höre, singe ich ganz anders und aus voller Kehle mit.

Von Thomas Kersten

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