Veröffentlicht von Doris Hüls am Mi., 17. Mai. 2017 12:03 Uhr
Ein Lied zum Thema Freiheit, das mir etwas bedeutet – das war die Aufgabe. Im Nachdenken darüber hat sich für mich ein spannender Abend daraus entwickelt. Ja, welche Lieder fallen mir denn da ein? Und welches bedeutet mir etwas?

Google sei Dank - die Liederliste ist schnell gefüllt. Und die Unbedeutenden sind ebenso schnell wieder gestrichen. Übrig bleiben drei Lieder: „Die Gedanken sind frei“, „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ (das ich mit meinem Chor unlängst noch gesungen habe) und unsere Nationalhymne „Einigkeit und Recht und Freiheit“.

Und neue Fragen kommen mir: „ Wie muss es sein, wenn man Freiheit nur in Gedanken fühlen und leben kann? Oder wie kann ein Leben aussehen, in dem grenzenlose Freiheit nur über den Wolken vermutet und erhofft wird? Was bedeutet mir Freiheit eigentlich?“

Die wichtigsten Freiheiten für mich sind:

Meinungsfreiheit: Ich kann nicht nur denken, sondern sagen, was ich will, ohne Repressalien befürchten zu müssen. Ganz wichtig, auch für meine politische Arbeit.

Entscheidungsfreiheit: Was tue ich? Was lasse ich? Für welche Ziele will ich kämpfen? Wie möchte ich mein Leben führen?

Reisefreiheit: Ich kann reisen, wohin ich möchte. Grenzen setzt nur mein Geldbeutel, nicht der Staat!

Und so wird mir klar: Mein Lied ist die Nationalhymne. Sie hat mich meine ganze Dienstzeit bei der Bundeswehr begleitet und drückt alles aus, was mir wichtig ist.

„Einigkeit und Recht und Freiheit“ - ich danke Gott, dass ich hier geboren bin und leben darf. In Frieden mit einer Demokratie, die anstrengend und langsam ist. Bei der ich aushalten muss und kann, dass Menschen ganz anders leben wollen als ich und manchmal auch ganz anders denken. Diese Freiheit ermöglicht mir ein selbstbestimmtes Leben, auch unter den Wolken.

Von Reinhard ten Brink

„Vom Suchen und Finden“ von Alexa Feser ist ein sehr beruhigendes Lied über die Suche nach Freiheit. Und darüber, dass das Suchen viel schöner ist als das eigentliche Finden.

Mir bedeutet das Lied viel, da ich es immer in schwierigen Zeiten höre und man dadurch selber ein bisschen getröstet wird. Es geht darum, dass das Finden sehr schwer ist und dass man die wahre Liebe und das Leben gerade bei der Suche kennenlernt. Auch wenn mal etwas schief läuft, gibt es immer Leute, die dich lieben und dir helfen. Ich verbinde mit diesem Lied Hoffnung. Ich hoffe, das Sie, die diese Zeilen lesen, das Lied genauso schön finden wie ich.

Von Tilda Jahn

Es gibt viele Lieder, die das Thema besingen, gesungen auf den Demonstrationen in Solidarität mit den Opfern der Apartheid oder der Unterdrückung der Menschen in Lateinamerika. Ein Lied kommt mir aber tatsächlich sofort in den Sinn: der Kanon „Der Himmel geht über allen auf“.

Kirchentag 1989 in West-Berlin: An einem heißen Tag mache ich mich zusammen mit meinem Mann wie viele andere auf, in den Osten Berlins zu reisen. Schon auf dem Weg zum Bahnhof Friedrichstrasse die bange Frage, wie wohl die Kontrollen sein werden. Dürfen wir die Geschenke für die Freunde mitnehmen, die wir im Ostteil treffen werden? Wird man uns einreisen lassen? Vor dem Grenzübergang stauen sich die Menschen, weil die Kontrollen sehr langsam vor sich gehen. Und dann, auf den Treppen hinab zur Pass- und Taschenkontrolle beginnt jemand, diesen Kanon anzustimmen:

Ungerührt kontrollieren die Grenzsoldaten weiter Pässe und Taschen. Immer mehr stimmen ein und in diesem Moment fühlt sich die Grenze durchlässiger an. Dass der Himmel über allen Menschen aufgeht, auch über die, die nicht über die Grenze können, auch über die, die mit ihren Kontrollen Teil des Systems sind. Der mehrstimmig gesungene Kanon hallt durch den Bahnhof und das Untergeschoss und ist eine einzige große Friedens- und Freiheitsbotschaft.

Dass sich im Herbst 89 die Grenzen dann friedlich öffnen werden, war damals noch nicht absehbar. Aber ein bisschen haben wir Menschen an diesem Tag die Grenzöffnung zwischen den beiden deutschen Völkern herbeigesungen. So hat es sich zumindest angefühlt.

Von Dorothea Währisch-Purz






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