Veröffentlicht von Doris Hüls am Fr., 1. Dez. 2017 10:28 Uhr

Im Reformationsgedenkjahr wird viel über die Möglichkeiten der Ökumene und Verbindendes der Konfessionen diskutiert. Im Rahmen der von den beiden großen Konfessionen verantworteten Reihe „Kirche des Monats“, die lutherische und katholische Kirchen des Emslands vorstellt, wurde mit der Michaeliskirche in Klausheide erstmalig eine Grafschafter Kirche aufgesucht. „Der Grund ist ganz einfach“, so Ulrich Hirndorf,  Pastor für Öffentlichkeitsarbeit im lutherischen Kirchenkreis Emsland-Bentheim und neben dem Referenten des Emslanddechanten, Holger Berentzen, einer der beiden Organisatoren: „Die Kirche in Klausheide ist echt ökumenisch. Seit 1962 wird sie von reformierten und lutherischen Christen genutzt und seit 2009 sind die katholischen Christen mit im Kirchenschiff. Deshalb wollten wir bewusst einmal die Grenzen des Emslands überschreiten und dem Publikum diese besondere Kirche und ihre Geschichte vorstellen.“

Wechselseitig  präsentierte das Pfarrerteam der drei Konfessionen nach einer kurzen Andacht „ihre“ Kirche, unterstützt vom Kindersingkreis des Ludgeruskindergartens Klausheide und den Messdienern. Da der Gottesdienstraum nicht alle interessierten Besucher fassen konnte, lauschten viele vor der Tür. Eine Übertragungsanlage und aufgestellte Bänke sorgten dafür, dass kaum jemand stehen musste. Während der lutherische Pastor Thomas Kersten noch einmal auf die Geschichte der Kirche einging und ihre liturgische Ausstattung, sprachen der reformierte Pastor Werner Bergfried und der katholische Priester Ulrich Högemann über die gemeinsame und gegenseitig wertschätzende  Gemeindearbeit. Besondere Kunstwerke in der Kirche sind das Kreuz über dem Altar, sowie das Herz-Jesu-Buntglasfenster, das aus der abgetragenen St. Ludgeruskirche Klausheide stammt. Im Rahmen der Innenrenovierung der Michaeliskirche im Jahr 2012 hatte das Fenster einen besonderen Platz in unmittelbarer Nähe zum Taufstein bekommen. Das abgebildete “brennende Herz” soll an die Leidenschaft für den Glauben und die Liebe Gottes zu den  Menschen erinnern“ so Kersten. Ein starkes Symbol, das bewusst am Taufstein das konfessionsverbindende Sakrament der Taufe betonen solle.

Die Anfänge nach dem Krieg

Im Jahr 1956 war in Klausheide der „Evangelische Kirchenbauverein“ gegründet worden. Durch die Spenden sowohl der lutherischen als auch der reformierten Mitglieder wurde der Bau der Michaeliskirche finanziert. Am 13. August 1960 legte der lutherische Landessuperintendent Degener den Grundstein für die vom Osnabrücker Architekten Max Berling geplante Michaeliskirche. Der von Walter Gropius beeinflusste Architekt war in der Nachkriegszeit auf den passgenauen Neubau von Kirchen für die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen spezialisiert. Unter seiner Leitung wurde die große Osnabrücker Marienkirche 1950 wiederaufgebaut und bis 1962 entstanden im Kirchenkreis Emsland-Bentheim in Uelsen, Twist, Emlichheim und letzlich Klausheide vier Kirchen aus seiner Feder. Während er bei den anderen Kirchgebäuden Elemente schlesischer Stabkirchen, russisch-orthodoxe Motive oder Inselkirchen zum Vorbild nahm, plante er die Michaeliskirche als Saalkirche aus Backstein. Die Einweihung erfolgte am 25. Januar 1962. So begann die Simultannutzung der Michaeliskirche durch die reformierten und lutherischen Christen der Umgebung, die mittlerweile auf eine vermutlich deutschlandweit einmalige Dreifachnutzung angestiegen ist.

Aus zwei wird drei

Seit 2009 findet auch die katholische Gemeinde nach der Entwidmung der St. Ludgeruskriche  in der Michaeliskirche ein geistliches Zuhause. Dort ist nun jeden Sonntag im Wechsel zwischen den Konfessionen Gottesdienst. Am vierten Sonntag des Monats wird er in ökumenischer Verbundenheit gefeiert. „Ich freue mich und bin dankbar,“ so Pfarrer Högemann, „dass ich hier mitwirken kann, an diesem besonderen Ort der Ökumene aber auch des Verständnisses für die Besonderheiten jeder christlichen Konfession.“ Ökumene entstehe da, wo Christen gemeinsam feiern, beten, zusammenkommen, aber auch den anderen in seiner Glaubenspraxis wertschätzten, so der katholische Priester. Das Überleben dieses besonderen Ortes, so sind sich die drei Geistlichen einig, hänge aber nicht nur von ihnen ab, sondern „wenn die Kirche im Dorf bleiben soll, dann ist es wichtig, dass das Dorf auch in der Kirche bleibt“, so Högemann. Im Anschluss gab es für die Besucher die Möglichkeit, weitere Fragen zu stellen und sich mit Kaffee und Kuchen zu stärken. Für die kleinen Gäste hatten die Messdiener einen Bastelworkshop vorbereitet.

von Ulrich Hirndorf

Kategorien Gemeindeleben