Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 27. Mär. 2018 18:25 Uhr

Um es gleich vorweg zu sagen. Klimaschutz ist ein Thema für alle. Dennoch kommt gerade Christen und Christinnen eine besondere Verantwortung zu. Die Bewahrung der Schöpfung, der Umgang mit der Natur und den begrenzten Ressourcen müssen sich in einem besonderen Maße auch in der Gestaltung des eigenen Lebens und im Leben einer Gemeinde zeigen. Es macht eben doch einen Unterschied, einmal mehr das Fahrrad zu nehmen, die Heizung herunterzudrehen oder Energie einzusparen, wo es möglich ist.  Im ersten Buch der Bibel lesen wir: „Und Gott segnete die Menschen und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (1. Mose 1,28) Wie ist das eigentlich mit dem „untertan machen” und dem „herrschen über” gemeint ?

Erst kürzlich hat die Tagesschau darüber berichtet, dass der Meeresspiegel schneller als erwartet ansteigen wird. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte es gut möglich sein, dass der Durchschnittspegel an den Küsten um 65 Zentimeter höher liegen wird als im Jahr 2005. Nicht nur die Malediven, Bangladesh und New York könnten dann erhebliche Problem mit Überschwemmungen bekommen. Mittlerweile wird sogar von Millionen von potentiellen Klimaflüchtlingen gesprochen, die eine erneute Herausforderung - insbesondere für die westliche Welt - darstellen werden. Menschen, die keine Lebensgrundlage mehr haben, weil es kein Wasser und keine Nahrung mehr gibt, die auf den Feldern wächst und gedeiht, werden sich in andere Teile der Welt aufmachen. Grenzen werden sie nicht daran hindern.

Der Weltklimarat ist sehr deutlich in seiner Analyse, wenn er klar sagt, dass der Mensch der Hauptverursacher der Er­derwärmung ist. Dieses Phänomen beschreibt Carl Amery in seinem Buch „Das Ende der Vorsehung - die gnadenlosen Folgen des Christentums“. Unmissverständlich führt er darin aus: „Macht euch die Erde untertan. In dieser Aufforderung zur totalen Unterwerfung der Natur hat sich das Christentum weit über seine Grenze hinaus manifestiert. Die Vernichtung der Natur durch den Menschen ist die Folge jüdisch-christlicher Wertvorstellungen, z.B. die Entmythologisierung der Natur.” Amery stellt in Frage, ob der Mensch in diesem Kontext wirklich die Krone der Schöpfung sei. Es gibt heute nicht wenige, die den Schöpfungsbericht dahingehend deuten, dass mit der Aussage des Herrschens im Schöpfungsbericht gemeint sei, die Erde in Besitz zu nehmen und Fürsorge für alles Leben auf ihr zu tragen. Ausbeutung war nämlich niemals gemeint und auch nicht menschliche Verschwendungssucht. Klimaschutz und Umgang mit der guten Schöpfung ist also ein Thema für alle. Als Christ oder Christin bin ich aber im besonderem Maße gefordert, für alles Leben sorgsam Verantwortung zu übernehmen, weil ich aus dem Glauben heraus wissen kann, dass das Geschaffene nicht mein Eigentum ist, sondern nur meiner Fürsorge anvertraut bleibt. Daran mitzuwirken, dass lebbare Zukunft bestmöglich mit gestaltet wird, kann und darf ich mich nicht entziehen.

von Thomas Kersten

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