Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 27. Mär. 2018 18:37 Uhr

Die von kirchlichen oder kirchennahen Institutionen gegründete „Klima-Kollekte“ versteht sich als eine Organisation, die kirchliche Institutionen, Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und Privatkunden unterstützt, klimafreundlich zu handeln und so die Schöpfung zu bewahren. Sie berät ihre „Kunden“, den Ausstoß von klimarelevanten Gasen zu vermeiden oder zu minimieren. Unvermeidbare Emissionen aus Strom- und Wärmeenergie, durch Auto-, Bahn- oder Flugverkehr oder Papier und Druckerzeugnisse können über die Klima-Kollekte „klimaneutral“ kompensiert werden. Der jeweils berechnete Ausstoß von CO2 soll dabei über Klimaschutzprojekte im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz ausglichen werden.

Die Projekte sind für die lokale Bevölkerung in Ländern des globalen Südens entwickelt worden und mindern Armut vor Ort, in dem sie Frauen stärken, Gesundheit schützen und Perspektiven ermöglichen. Zudem wird auch der lokal erzeugte CO2 – Ausstoß verringert. Neben der Gesellschaft „Klima-Kollekte“ gibt es inzwischen eine Reihe nicht kirchlich verankerter Anbieter wie „atmosfair“, „First Climate“ oder „natureOffice“, die sich ebenfalls um eine klimaneutrale Kompensation durch Förderung von Klimaschutz-Projekten bemühen.

Die Folgen des Klimawandels müssen aber noch umfassender betrachtet werden. Der sich immer stärker auswirkende Klimawandel vergrößert Armut und gefährdet Leben. Er ist zutiefst ungerecht. Die Forderung nach „Klimagerechtigkeit“ demgegenüber bedeutet, dass nach dem Verursacherprinzip Länder, die die Hauptverantwortung an der Erderwärmung tragen, in der Verantwortung stehen, global für die Folgen und Schäden des Klimawandels einzustehen. Von den Auswirkungen des Klimawandels sind vorrangig Länder betroffen, welche wenig zum Problem beigetragen haben und nicht über die finanziellen Mittel für nötige Schutzmaßnahmen und Anpassungskosten verfügen. Es gibt inzwischen Inselstaaten, die in absehbarer Zeit bei dem stetig ansteigenden Meeresniveau „untergehen“ werden.

Klimagerechtigkeit umfasst zudem auch Generationengerechtigkeit und eine Verantwortung für die Umwelt. Statt nachfolgenden Generationen mindestens gleich gute oder bessere Umweltbedingungen zu hinterlassen, führt der heutige CO2-intensive Lebensstil dazu, dass zukünftige Generationen die nur schwer kalkulierbaren Folgen des Klimawandels bewältigen müssen und nicht mehr auf eine intakte Umwelt zurückgreifen können. Der mit dem Klimawandel verbundene drastische Rückgang der Artenvielfalt in Tier- und Pflanzenwelt ist aus christlicher Perspektive eine Verfehlung des Menschen gegenüber seiner Mitverantwortung für die Schöpfung. Beim Klimaschutz geht es daher um beides: Um die Verantwortung für Gottes Schöpfung und um Menschenwürde. Es geht um Teilhabegerechtigkeit an den Umweltgütern. Es geht darum, den Menschen des Südens und nachfolgenden Generationen faire Entwicklungschancen zu geben.

von Ulrich Meyer-Spethmann

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