Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 27. Mär. 2018 18:42 Uhr

Axel, du arbeitest bei der GIZ. Was ist das?

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) engagiert sich weltweit für eine lebenswerte Zukunft. Nachhaltigkeit ist dabei das Leitprinzip unseres Handelns. Wir arbeiten in 120 Ländern und haben mittlerweile mehr als 50 Jahre Erfahrung in unterschiedlichsten Feldern: Von der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung über die Förderung von Frieden und Sicherheit bis hin zu Energie- und Klimathemen. Unser Hauptauftraggeber ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Was ist dein Arbeitsbereich?

Ich leite in Bonn ein Team von Klimaexperten und wir befassen uns mit der Finanzierung von Klimaschutz, der Minderung von Treibhausgasen und mit den Folgen des Klimawandels. So beraten wir zum Beispiel die Regierung Tansanias dabei, wie sie die Bevölkerung bei der Anpassung an diese Folgen unterstützen kann. Andere KollegInnen arbeiten daran, wie sich die Menschen gegen Ernteausfälle versichern können, die auf Grund des Klimawandels in vielen Ländern tendenziell größer werden. Mein Team unterstützt das BMZ auch im Kontext der internationalen Klimaverhandlungen.

Das Thema unseres Gemeindebriefes lautet „Klimaschutz“. Im November warst du am Klimagipfel in Bonn beteiligt. Was war da deine Aufgabe?

„Further, Faster, Together“ – das war das Motto der 23. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (kurz: „COP 23“), die unter der Präsidentschaft Fidschis stattfand. Über 20 000 Teilnehmende aus 196 Mitgliedsstaaten waren dafür nach Bonn gereist. MitarbeiterInnen der GIZ unterstützten und berieten Partnerländer und Auftraggeber bei der Vorbereitung und während der Verhandlungen. Dazu gehörten die europäische und deutsche Verhandlungs-Delegation oder das fidschianische COP23 Sekretariat. Wir begleiteten Veranstaltungen im deutschen Pavillon auf dem Konferenzgelände und auch zahlreiche Fachdiskussionen. Ein Novum bei einer Weltklimakonferenz war das öffentlich zugängliche Gelände des Climate Planet mit einem 20 Meter hohen Zelt in Form einer Weltkugel. Auch hier fanden Veranstaltungen statt und eine begleitenden Ausstellung widmete sich dem Thema „Klima und Entwicklung“. Mehr als 23 000 Menschen besuchten den Climate Planet, den wir mit einem Team aus der GIZ im Auftrag des BMZ organisiert haben.

Was waren deiner Meinung nach die wichtigsten Ergebnisse?

Klimapolitische Fortschritte gab es auf mehreren Ebenen: Im Kern ging es darum, wie das Pariser Klimaabkommen umgesetzt wird. Die VerhandlerInnen erarbeiteten Entwürfe für ein Regelwerk, das bei der nächsten COP, die Ende dieses Jahres in Polen stattfindet, verabschiedet werden soll. Das klingt etwas trocken, ist aber ein großer Erfolg. Fidschi hatte die Präsidentschaft der COP inne. Es gehört zu den Ländern, die vom Klimawandel besonders betroffen sind, und rückte diese Staaten in den Fokus der Konferenz. Das Land lancierte den sogenannten Talanoa-Dialog, in dem sich die Länder dazu austauschen, wie sie die Treibhausgase wirksam reduzieren und ihre Klimaschutzbemühungen steigern, um die Erderwärmung auf unter 2°C zu begrenzen. Die deutsche Bundesregierung sagte 100 Millionen EUR als deutschen Beitrag zu zwei Fonds zu, die den Menschen in Entwicklungsländern helfen sollen, sich besser an den Klimawandel anzupassen.

Verhandelt haben ja wahrscheinlich Regierungsvertreter. Aber auch Vertreter von NGOs waren da? Hast du auch kirchliche Gruppen wahrgenommen? „Bewahrung der Schöpfung“ ist ja ein kirchlicher Auftrag. Welche Rollen spielen in dem Prozess NGOs incl. kirchliche Gruppen?

Zivilgesellschaftliche Gruppen spielen traditionell eine wichtige Rolle – sowohl im Rahmen von Veranstaltungen als auch durch Demonstrationen im öffentlichen Raum. Für die Frage „Was kann ich tun?“ bieten beispielsweise die Kirchen mittlerweile Möglichkeiten an, eigene Treibhausgas-Emissionen, die nicht vermieden oder reduziert werden können, zu kompensieren: Über die „Klima-Kollekte“ (vgl. www.klima-kollekte.de) werden Projekte im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz gefördert. Trotz eines umfangreichen Umweltmanagements gab es auch bei dem eingangs erwähnten Climate Planet Emissionen durch z. B. Auf- und Abbau und Betrieb. Diese Emissionen werden über die Klima-Kollekte kompensiert.

Vielen Dank für das Gespräch!

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