Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 22. Mai. 2018 17:38 Uhr

Die Religionsfreiheit in Deutschland ist durch das Grundgesetz fest verankert. In Artikel 4 heißt es dazu: „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.”

Für uns als Christenmenschen ist es also selbstverständlich, am Sonntag und auch unter der Woche in die Kirche zu gehen, um Gottesdienst zu feiern oder stille Andacht zu halten. Wir brauchen normalerweise keine Angst zu haben, unseren Glauben frei und fröhlich zu bekennen und diesem durch Gebet und Gesang Ausdruck zu verleihen. Wir können ein Kreuz an einer Halskette tragen und es gibt keinen Grund es abzulegen. Wir brauchen uns des Evangeliums also nicht zu schämen. Die in unserer Verfassung fest verankerte Religionsfreiheit ist damit ein unveräußerliches Menschenrecht. Es gilt nicht nur für Christen, sondern für alle Menschen, die ihren Glauben in Freiheit und Frieden unter der Einhaltung der hier geltenden Gesetze leben wollen. Die Religionsfreiheit schließt dabei den notwendigen Respekt gegenüber denjenigen ein, die anders oder vielleicht sogar gar nicht glauben.

Was in unserem Land und in vielen europäischen Ländern gilt, ist leider nicht die Regel oder das Normale. Es gibt sehr unterschiedliche und ungenaue Schätzungen, wie viele Christen auf der Welt bedrängt sind oder sogar systematisch verfolgt werden. Die Zahlen schwanken zwischen 100-200 Millionen, aber es ist unstrittig, dass die Christen die heute am stärksten bedrohte Religionsgruppe der Welt sind.

Speziell für Christen im Nahen Osten und in Nordafrika ist die Lage einer wirklich freien Religionsausübung sehr viel bedrohlicher geworden. Für Menschen, die zum Beispiel zum Christentum konvertieren, kann die Situation sogar lebensbedrohlich werden.

Insbesondere aus Syrien, wo vor 100 Jahren noch mehr als 30% der Bevölkerung Christen waren, sowie aus dem Irak, wo bis vor einiger Zeit noch 500.000 Christen lebten, gibt es nichts Gutes zu berichten. Die Orient-Christen verlassen ihre angestammte Heimat oder werden systematisch daraus vertrieben und müssen fliehen, um zu überleben.

In Nordkorea lässt sich der Glaube nur im Geheimen leben und der Besitz einer Bibel kann bereits die Todesstrafe zur Folge haben. Christen werden dort nicht selten in Arbeitslagern gefangen gehalten.

Die katholische und die evangelische Kirche haben gemeinsam auf diese besorgniserregenden und nicht mehr hinnehmbaren Zustände hingewiesen, weil die Existenz des Christentums in einigen Regionen akut gefährdet ist. In ihrem sehr lesenswerten „Ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit 2017” weisen die Kirchen auf Bedrohungen, Einschränkungen und Verletzungen hin.
Insbesondere der sogenannte „Islamische Staat” oder aber auch „Boko Haram” gehen mit einer für uns unvorstellbaren Grausamkeit gegen Christen, aber auch gegen eigene Glaubensgeschwister vor, deren religiöse Praxis als zu liberal bewertet wird. Zur perfiden Strategie der sogenannten religiösen Krieger gehören Entführungen, Folterungen, Vergewaltigungen und Hinrichtungen.

Die Kirchen in Deutschland fordern zu Recht die Solidarität mit denen, die ihren Glauben nicht mehr offen und frei leben können.

Eindrücklich hat auch Papst Franziskus am 2. Weihnachtstag 2016 in seiner Botschaft an die Christen im Irak gedacht, die das Weihnachtsfest in ihrer zerstörten Kathe­drale gefeiert haben und somit trotz aller Prüfungen ihre Zugehörigkeit zu Christus lebten. „Die Welt hasst die Christen aus demselben Grund, warum sie Jesus gehasst hat: Weil er das Licht Gottes brachte, die Welt aber die Dunkelheit vorzieht, um ihr bösen Taten zu verbergen.”

Sehr deutlich und klar kommt Papst Franziskus in seinen weiteren Ausführungen dann auf die aktuelle Situation der Christen weltweit zu sprechen: „Auch heute erfährt die Kirche an verschienen Orten harte Verfolgung bis zur letzten Prüfung, dem Martyrium, um Zeugnis für das Licht und die Wahrheit abzulegen. Wir wollen heute an die denken, die Verfolgung leiden, und ihnen nahe sein mit unserer Zuneigung, unserm Gebet und unserem Weinen.”

Doch das wird meiner Einschätzung nach nicht genug sein. Es ist unsere Aufgabe, durch Kommunikation und Bildung die Religionsfreiheit als ein hohes Gut zu bewahren und zu verteidigen und gleichzeitig diejenigen nicht zu vergessen, die aufgrund ihres Glaubens um das eigene Überleben kämpfen müssen.

von Thomas Kersten

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