Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 22. Mai. 2018 17:45 Uhr

Der Kirchenkreis Emsland-Bentheim pflegt eine Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Kondoa in Tansania. Christa Olearius stellt Kerstin Buck-Emden fünf Fragen.

1. Kerstin, du bist ehrenamtliche Vorsitzende des Partnerschafts-Ausschusses unseres Kirchenkreises. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die viel Zeit und Engagement erfordert. Wie lange machst du das schon? Und was macht dir daran Freude? Oder was ist schwierig?

Angefangen hat alles mit einem wunderbaren Zufall: 1997 wurde ich auf einer Adventsfeier für die Mitarbeiter der Trinitatis-Gemeinde in Lingen aufmerksam auf die erste große Delegationsreise des Kirchenkreises zu unseren Partnern nach Kondoa in Tansania. Dann nahm alles seinen Lauf. Als Partnerschaftsbeauftragte für die Lingener Gemeinden zog ich schließlich nach den KV-Wahlen im Jahr 2000 in den Kirchenkreistag ein und übernahm ab Januar 2001 den Vorsitz im Partnerschaftsausschuss. Den habe ich bis heute inne -  also nun fast 18 Jahre.

Die Aufgaben sind vielfältig und alles braucht viel Zeit und Engagement. Die Begegnung mit Land und Leuten und all den Herausforderungen haben meinen Blick auf die Welt und auch auf mich selbst geweitet und ich lerne immer noch dazu. Auch wenn sich lutherisches Christentum in Tansania von unserem unterscheidet, so verbindet uns doch unser gemeinsamer Glaube. Freundschaftliche Kontakte sind entstanden und wir arbeiten an gemeinsamen Zielen wie z. B. dem Schulausbau und der Unterstützung der Gemeinden. Natürlich gibt es auch weniger Erfreuliches: trotz moderner Kommunikationsmöglichkeiten ist es schwierig, guten Kontakt zu halten, zumal die Tansanier lieber reden als schreiben. Häufiger Wechsel von Verantwortlichen, die für beide Seiten fremde Sprache (Englisch) und kulturelle Unterschiede können zu Missverständnissen und Unstimmigkeiten führen. Außerdem ist es nicht leicht, immer wieder genügend geeignete Mitarbeiter zu finden, die auch über die eigene Gemeinde hinausgucken können auf den ganzen Kirchenkreis.

2. Am ersten Sonntag im Juni wird in den Gemeinden in Tansania und bei uns ein Partnerschaftsgottesdienst gefeiert. Was ist das genau?

Unter dem Motto „Glauben teilen, Leben teilen, Gaben teilen“ wird in der Partnerschaftsurkunde vom 23. Juni 1990 ausdrücklich festgehalten, dass diese Partnerschaft in erster Linie eine geistliche Partnerschaft ist. Das wird durch die Feier des wechselseitig vorbereiteten Gottesdienstes am ersten Sonntag im Juni jeden Jahres zum Ausdruck gebracht.

Vieles im Ablauf des tansanischen Gottesdienstes kommt uns bekannt vor: Teile der Liturgie, das Glaubensbekenntnis oder das Vaterunser. Viele Lieder haben die deutschen Missionare, die etwa ab 1850 kamen, mitgebracht und übersetzt –  z. B. von Paul Gerhardt oder Martin Luther und anderen bekannten alten Liederdichtern. Sie stehen auch heute noch im tansanischen Gesangbuch. Dieses Jahr singen wir u.a. das Lied „Die güldne Sonne“ gemeinsam im Partnerschaftsgottesdienst.

3. Du hast auch schon viele Gottesdienste in Tansania erlebt. Was ist charakteristisch für die afrikanischen Gottesdienste?

Noch hat der Sonntagsgottesdienst für die meisten Gläubigen in Tansania große Bedeutung. Er ist das zentrale Ereignis der Woche. Die sehr umfangreichen Abkündigungen dienen auch als umfassende Informationsquelle für die Gemeindeglieder. Die Gottesdienste sind oft lang, mindestens zwei Stunden sind normal. Und sie werden mit viel Musik und Bewegung gestaltet. Die Gemeinde in Kondoa hat fünf oder sechs Chöre, die jeden Sonntag in einem der beiden Gottesdienste mitwirken.

4. Zu jedem Gottesdienst gehört auch eine Kollekte. Wie finanzieren sich die Kirchen?

Anders als bei uns gibt es in Tansania keine Kirchensteuer. Die gesamte Kirche finanziert sich aus Kollekten und Spenden. Davon müssen die laufenden Kosten, die Gehälter für das Personal sowie alle besonderen Projekte, Bauvorhaben und diakonischen Aufgaben finanziert werden. In jedem Gottesdienst gibt es mehrere Kollekten, wobei die Gemeindeglieder nach vorne zum Altar gehen und ihre Gaben in dort aufgestellte Körbe legen (Kollektenumgänge).

Zusätzlich werden die Kollektenumschläge gesammelt. Sie enthalten eine Art freiwilliges Kirchgeld. Jedes Gemeindeglied schätzt zu Jahresbeginn ein, mit welchem Betrag (der „Zehnte“!) es seine Gemeinde unterstützen kann. Diese Summe wird dann in Raten übers Jahr gesammelt. Kirchenälteste führen darüber Buch und rechnen am Jahresende ab. Natürlich gibt es in vielen Gemeinden auch Menschen, die kein Geld geben können. Sie bringen dann Feldfrüchte, Eier, Tiere oder auch Stoffe als Opfergabe. Diese Naturalspenden werden nach dem Gottesdienst versteigert, was allen viel Spaß macht.

Zwei Prozent der Kollekten einer Gemeinde werden an die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (ELCT) weitergegeben. Mit bis zu 30 Prozent wird die eigene Diözese mitfinanziert.

5. Im Sommer fährst du wieder mit einer Delegation nach Tansania. Wie bereitet ihr euch auf die Gottesdienste dort vor?

Zu Beginn unserer Vorbereitungen auf die Reise haben wir uns gefragt, was eigentlich der christliche Grundgedanke ist, der uns motiviert, für unsere Partnerschaft einzutreten. Das gemeinsame Vertrauen auf den einen Gott verbindet uns und lässt uns Gemeinschaft suchen – wie schon die Jünger nach Jesu Tod und auch die ersten Christen sich regelmäßig trafen. Und als das öffentlich zu gefährlich wurde, fanden sie damals Wege, sich heimlich zu treffen. Das brachte uns auf die Idee zu einem kleinen Anspiel als unseren Beitrag zur Gottesdienstgestaltung. Wir haben auch ein paar Lieder und Gebete dabei. Ich werde mich auf jeden Fall auf eine kurze Ansprache vorbereiten. Natürlich freuen sich unsere Partner auch immer sehr über jeden Beitrag von uns – natürlich auch in der Kollekte! –und über Grußworte aus Deutschland, von ihren Partnern im KK Emsland-Bentheim.

Kerstin, wir danken dir für dieses Gespräch und wünschen Dir und der Delegation Gottes Segen für die Zeit in Tansania.


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