Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 21. Aug. 2018 18:07 Uhr

„Fahre hinaus, wo es tief ist und werft dort eure Netze aus.“ (Lukas 5, 4)

So lautet ein für mich zentraler Satz in der Geschichte vom Fischzug des Petrus, wie sie uns der Evangelist Lukas überliefert.

Darin wird für mich etwas von dem deutlich, was mir mein Glaube bedeutet: Er ist ein besonderer Entfaltungsraum, der mir eröffnet wird und der zugleich ermutigt, sich auf neue Erfahrungen ein und auch vom Leben immer wieder überraschen zu lassen. Zugleich gibt er mir etwas mit, um mich auf diesem teilweise neuen Terrain sicher bewegen zu können. Das sind Worte und Geschichten der Bibel, in Kirchen steingewordene Gotteserfahrung, aber auch von Gott bewegte Menschen (Boot und Netze in der Geschichte). An allem aber hängt auch eine besondere Verheißung, dass Gott für mich im Leben immer auch etwas Überschießendes bereit hat. Dazu gehören die Zuversicht und die Hoffnung, nicht erst am Ende den Fang meines Lebens machen zu dürfen, auch wenn vorher (oft genug) die Netze des Lebens leer geblieben sind.

Superintendent Dr. Bernd Brauer

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebräer 11, 1)

Diese Aussage kann ich für mich nur bestätigen. Ich bin zwar in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, aber geprägt hat mich mein Pastor, der mich konfirmiert und drei Jahre unterrichtet hat. Er hat uns glaubwürdig vermittelt, dass Gott uns liebt und wir in allen Lebenslagen zu ihm kommen dürfen. Ich habe - so hoffe ich - einen unerschütterlichen Glauben an Gott. Ihm traue ich alles zu. Ich fühle mich von Gott begleitet und unverdient beschenkt. In meinem bisherigen Leben habe ich im Nachhinein in einigen Situationen sein Wirken und Begleiten erfahren dürfen. Glauben kann man nicht erzwingen, sondern sich nur schenken lassen und dankbar dafür sein.

Marie-Luise Siebe

Glaube. Was ist Glaube? Glaube beinhaltet das Nicht-Wissen und damit schon eine große Wahrheit. „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Dieser Satz begleitet die Menschheit schon lange und hat an seinem Wahrheitsgehalt trotz aller Wissenschaft nichts eingebüßt. Wenn wir also nichts wissen, sind wir nahezu genötigt zu glauben.

Aber woran glauben? Ich bin christlich aufgewachsen. Das könnte nahelegen, sich diesem Glauben zu unterstellen. Ich mag viele der „christlichen“ Geschichten. Ich liebe das christliche Symbolsystem, doch ich lerne auch immer gerne andere Religionen kennen und lieben. Aber ich bin ein Zweifler. Woran soll ich also glauben?

An die eigenen Erfahrungen - das einzige, was für einen selbst und nur für einen selbst Wahrheit sein kann. Sich auf den Weg machen. Auf den Weg zu Gott, zum höheren Selbst, zur allumfassenden Einheit, zur unbedingten Liebe. Es gibt mehr niedergeschriebene Praktiken, um diesen Weg zu beschreiten, als man ausprobieren könnte. Und unabhängig dieser Praktiken kann jeder seinen eigenen Weg zu Gott finden.

Jesus sprach: „Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet; und wenn er findet, wird er erschrocken sein; und wenn er erschrocken ist, wird er verwundert sein, und er wird über das All herrschen.“ (Thomas-Evangelium, Vers 2)

Glaube ist für mich der einzige Anker in einer Welt, die ich nicht verstehe; die einzige Konstante in einem Chaos, das ich nicht überblicken kann; ein Werkzeug für den Seelenfrieden. Wenn man alles verliert, gewinnt man Alles. Wenn man nichts ist, gehört alles zu einem. Wer vor dem Tod stirbt, geht ein in das ewige Leben. An diese Erfahrungen glaube ich und versuche, nach meinen Möglichkeiten nach ihnen zu leben.

Luca Pokstefl

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