Veröffentlicht von Doris Hüls am Mi., 21. Nov. 2018 11:29 Uhr

Kinder sind etwas Besonderes. Sie bringen eine große Neugier mit. Sie wollen die Welt entdecken. Sind vertrauensvoll und offen. Genau diese Eigenschaften sind es, die Kinder zu Glaubensvorbildern machen können. Davon berichtet das Markusevangelium an einer Stelle:

Viele Menschen hatten sich um Jesus versammelt, um ihm ihr Anliegen zu schildern: Einige Leute brachten Kinder zu Jesus. Er sollte sie segnen. Aber die Jünger wiesen sie schroff zurück. Als Jesus das merkte, wurde er zornig und sagte zu ihnen: »Lasst doch die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran. Denn für Menschen wie sie ist das Reich Gottes da. Amen, das sage ich euch: Wer sich das Reich Gottes nicht wie ein Kind schenken lässt, wird nie hineinkommen.« Und er nahm die Kinder in die Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie. (Mk 10, 13-16)

Kinder als Vorbilder für den Glauben – dies kann man zunächst erst einmal als steile These bezeichnen. Gelten Kinder doch allgemein eher als Menschen, denen etwas beigebracht werden muss, die selbst alles neu lernen müssen und dabei Vorbilder benötigen.

Die obige Passage ist eingerahmt von Textstellen, in denen es um Fragen nach der richtigen Nachfolge, dem richtigen Glauben und um Fragen der Macht geht. Immer wieder gibt es auch Anspielungen auf Leiden und Sterben Jesu. Bei diesem Kontext wird deutlich, dass diese Erzählung nicht einfach nur der Unterhaltung halber (oder weil sie so schön ist) genau an dieser Stelle steht.

Für Jesus stellen Kinder echte Glaubensvorbilder dar, die ernst zu nehmen sind. Gerade ihnen spricht Jesus das Reich Gottes als Geschenk zu. Denn an ihnen zeigt sich auf verschiedene Weise, was im Glauben wirklich zählt.

Es geht im Glauben nicht um Positionen, um Ansehen und Macht. Und so ist auch die Zugehörigkeit zu Gott und zu seiner Welt nicht abhängig von irgendwelchen Besitztümern oder einem bestimmten Rang. Sondern es wird einem Menschen im Glauben geschenkt. Um Anteil an Gottes Welt zu haben, muss der Mensch nichts leisten. Sondern was zählt, sind das unbedingte Vertrauen auf und die Liebe zu Gott - ohne direkt Erwartungen oder Ansprüche an ihn zu stellen. Denn ob Kinder jemandem vertrauen und jemanden sogar lieben, hängt wenig vom Status oder der Macht des Gegenübers ab. Kinder vertrauen und lieben erst einmal bedingungslos - aber voller Vertrauen. Diese bedingungslose Liebe ist für Jesus ein Vorbild für die Beziehung zwischen Gott und Mensch.

Nehmen wir Menschen eine Haltung wie Kinder ein, dann heißt das für Jesus: Nur wer seine Ansprüche auf Macht und Ansehen ablegt und den Glauben wie ein Geschenk empfängt, der kann zu Gottes neuer Welt gehören.

Und noch etwas zeichnet Kinder aus: Immer wieder bewegen sie sich auf die Menschen zu, von denen sie Liebe bekommen und denen sie vertrauen. Sie sind darauf angewiesen, dass man sich ihnen zuwendet, ihnen Nahrung gibt und Nähe schenkt. Dankend und ohne Hintergedanken nehmen sie diese an. Solch eine Bewegung zwischen Vertrauen sowie Nähe zu suchen, beides anzunehmen und selbst wieder zu schenken, sind auch elementare Bewegungsfelder im Glauben. So bleiben wir im Bezug zu Gott Kinder, wenn wir ihn voller Vertrauen suchen, ihm unsere Liebe schenken und sein Vertrauen und seine Liebe als Geschenk an uns im Glauben annehmen.

Kinder können folglich eine Bereicherung und Schatz in einer Gemeinde sein. Aus der Art und Weise, wie Kinder glauben und die Welt sehen, können auch Impulse für das eigene Selbst- und Glaubensverständnis gewonnen werden. Gemeinsam mit Kindern kann entdeckt werden, wie bunt und vielfältig Gottes Geschenk an uns ist.

von Henrike Lüers

Foto: Lehmann

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