Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 26. Mär. 2019 17:08 Uhr

Gastfreundschaft taucht in verschiedenen biblischen Erzählungen auf. Ganz klassisch ist bei vielen Bibeltexten, dass Gäste häufig Reisende sind, die Nahrung für sich und ihr Vieh sowie eine Unterkunft benötigen.

Doch schon der griechische Begriff für Gastfreundschaft - „Fremdenliebe“ - macht deutlich, dass es bei Gastfreundschaft häufig um mehr als die reine Bewirtung und eine Unterkunft geht.

Abraham zum Beispiel lädt drei fremde Männer, die plötzlich vor ihm stehen, zum Essen ein (Gen 18,1-8). Die drei Männer werden von Abraham herzlich aufgenommen. Es wird so viel für sie aufgetischt, wie die drei Männer kaum essen können. Und das Beste ist Abraham für seine Gäste gerade gut genug. Im weiteren Verlauf klingt an, dass Gott selbst zu Gast bei Abraham war.

Jesus erfährt Gastfreundschaft auf verschiedene Art und Weise. Die beiden Schwestern Maria und Martha freuen sich, Jesus bei sich aufzunehmen (Lk 10, 38-42). Während die eine Schwester Essen für Jesus vorbereitet, leistet die andere Jesus Gesellschaft. Die beiden Schwestern zeigen auf ihre je eigene Art, was Gastfreundschaft bedeuten kann. Es muss nicht immer die große Tafel mit dem besten Essen sein, auch die gemeinsame Zeit ist gut und wichtig.

Jesus hatte immer einen besonderen Blick für die Menschen, die häufig ausgeschlossen oder gemieden wurden. Gerade zu diesen Menschen hat Jesus den Kontakt gesucht. Der Zöllner Zachäus, sonst von vielen Menschen gemieden, öffnet sein Haus für Jesus auf dessen Bitte und nimmt Jesus freundlich bei sich auf (Lk 19, 1-10). An dieser Stelle wird deutlich, dass Gastfreundschaft gerade auch mit denen gefeiert werden und gelingen kann, die sonst ausgeschlossen werden.

Gastfreundschaft bedeutet, die Türen offen zu halten, auch wenn sich jemand zunächst für einen anderen Weg entschieden hat. Ein Vater hält seine Türen weit für seinen Sohn geöffnet, obwohl dieser seinen Vater verlässt, als er sein Erbe erhalten hat (Lk 15, 11-32). Der Sohn verprasst sein Geld sehr schnell und kehrt voller Reue zu seinem Vater zurück. Dieser nimmt ihn mit einem großen Fest wieder bei sich auf und ist glücklich, seinen Sohn wieder bei sich zu haben.

Auffällig bei all diesen Beispielen ist, dass Gastfreundschaft häufig in einem gemeinsamen Essen gipfelt. Jesus isst oft mit seinen Jüngern und anderen Menschen. Er feiert mit ihnen gemeinsam sein letztes Mahl. Nach seinem Tod zeigt sich Jesus seinen Jüngern noch einmal (LK 24, 13-34). Diese erkennen ihn zunächst nicht. Sondern sie bitten den Fremden mit in ihr Haus. Erst während einer gemeinsamen Mahlfeier erkennen sie, dass es Jesus ist, der da bei ihnen ist.

Für seine Nachfolger und Nachfolgerinnen wird so die Gastfreundschaft und die gemeinsame Mahlfeier ein Zeichen für die Gemeinschaft untereinander und mit Jesus auch über seinen Tod hinaus. So ist gerade das Abendmahl das Zeichen einer Gastfreundschaft, die alle Grenzen dieser Welt und sogar den Tod übersteigt.

von Henrike Lüers

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