Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 3. Dez. 2019 11:46 Uhr

Seit 1986 gibt es das Friedenslicht aus Betlehem. Entstanden ist diese Tradition durch eine Initiative des Österreichischen Rundfunks. Dort hatte man im Jahr 1986 die Idee, als Symbol des Friedens am Geburtsort Jesu Christi in der Adventszeit ein Licht zu entzünden und dieses weiterzuverteilen.

Seitdem wird dieses Licht jedes Jahr in der Geburtsgrotte durch ein Kind entzündet und per Flugzeug in einer explosionssicheren Lampe nach Wien gebracht. Traditionell soll dies durch ein Kind aus Oberösterreich geschehen, doch es kommt auch vor, dass israelische Kinder das Licht entzünden und nach Wien bringen. In einer Aussendungsfeier wird das Licht dann weiter unter den Menschen verteilt. 1989 haben dies zunächst die österreichischen Pfadfinder übernommen. Nach Deutschland kommt das Friedenslicht seit 1993 durch die deutschen Pfadfinder. Die diversen Pfadfinderorganisationen können Mitglieder nach Wien entsenden, um das Licht dort abzuholen. Von Wien nach Deutschland reist das Licht mit dem Zug und erreicht so die verschiedenen Gemeinden. Dort finden am 3. oder 4. Advent Aussendungsfeiern statt, bei denen das Licht weiterverteilt wird. Mittlerweile wird das Friedenslicht in fast alle Länder Europas und sogar in die USA weitergeschickt.

Bei uns in Nordhorn sorgen die katholischen und die evangelischen Pfadfinder für die Verteilung des Lichts. In den vergangenen Jahren fand die Aussendungsfeier am 4. Adventssonntag im Kloster Frenswegen statt. Im letzten Jahr war sie in der Innenstadt. In diesem Jahr wird die Aussendungsfeier am Samstag zuvor (21.12.) um 15 Uhr in der Kreuzkirche stattfinden. Am 4. Advent selbst feiern wir einen gemeinsam gestalteten Gottesdienst mit den Pfadfindern vom Stamm der Wassergeusen in der Kreuzkirche, in dem das Friedenslicht verteilt wird. Auch in den Gottesdiensten an Heiligabend wird das Friedenslicht verteilt.

Das Friedenslicht steht jedes Jahr unter einem besonderen Motto. In diesem Jahr lautet es „Mut zum Frieden“. Judith Gaab schreibt dazu: „Wie schön das wäre - endlich Friede! Alle Völker gemeinsam auf dem Weg. Ohne Machtinteressen und Gewinnstreben. Kein Volk besser als das andere. Keines, das sich auf Kosten anderer bereichert. Keines, das sich als Richter erhebt. Keine Rache. Keine Strafe. Keine Vergeltung. Man übt nicht mehr für den Krieg. Man lebt von dem, was die Erde hergibt. Ausreichend für alle. Wie schön das wäre! Alle Menschen gemeinsam auf dem Weg. Miteinander statt gegeneinander. Kein Mensch ist besser als der andere. Kommt, lasst uns beginnen, jetzt, Du und Ich …“

Im Christentum hat das Kerzenlicht eine besondere Bedeutung. Vielleicht geht diese direkt auf Jesus zurück. „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“, sagt Jesus Christus von sich selbst (Johannes 8, 12). Der wahrscheinlich älteste christliche Kerzenritus gehört in die Osternacht: Die Lesung des Evangeliums von der Auferstehung Jesu Christi von den Toten wird begleitet mit dem Anzünden der Osterkerze. An dieser stecken die Gottesdienstbesucher ihre Kerzen an und erleuchten mit diesem Licht die dunkle Kirche. Traditionell wurde in der Osternacht getauft. Für jeden Getauften leuchtet ein Licht im Dunkel: die Taufkerze. Auch zum Totengedenken werden Kerzen entzündet, am Ewigkeitssonntag in der (evangelischen) Kirche, und zu Allerheiligen auf den Friedhöfen, ein ursprünglich katholischer Ritus, der aber inzwischen auch von vielen Protestanten geteilt wird. Als Lebenslicht beleuchtet eine Kerze unseren Geburtstagstisch.

Sehr wichtig sind Kerzen auch im Advents- und Weihnachtsfestkreis. An jedem der vier Adventssonntage zünden wir eine Kerze mehr an - an Heiligabend ist es sogar ein ganzer Baum. Wenngleich ursprünglich ein heidnischer Brauch, ist der Tannen- oder auch Christbaum mit seinen Kerzen zentraler Bestandteil unseres Weihnachtsfestes zu Hause. Im protestantischen Schweden wird am 13. Dezember Santa Lucia, die Lichterkönigin, gewählt und mit einem Kranz aus brennenden Kerzen gekrönt.

von Sonja Henkenborg

Kategorien Themenschwerpunkt