Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 25. Feb. 2020 17:02 Uhr

- Die Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus -

Längst vor Greta und dem nur schwer zu ertragenden „Umweltsau-Lied” des WDR-Kinderchores hat sich Papst Franziskus mit seiner Enzyklika „Laudato si” aus dem Jahr 2015 mit wichtigen ökologischen Fragen beschäftigt. Häufig ist deswegen auch in diesem Zusammenhang von der „Umwelt-Enzyklika” des Papstes die Rede. Dieser Text (www.dbk.de), der auf eine ganzheitliche Ökologie abzielt, hat deutlich weniger (junge) Menschen in Bewegung versetzt als „Fridays For Future”, wobei man sich durchaus fragen darf, ob nicht auch der Saturday ein guter Tag für den Klimastreik gewesen wäre, da man so am Freitag noch am Schulunterricht hätte teilnehmen können.

In seiner Enzyklika wendet sich der Papst ausnahmslos an jeden Menschen, „der auf diesem Planeten wohnt”. Schonungslos analysiert Franziskus, dass die gute alte Mutter Erde geplündert, verletzt und krank gemacht wird und dadurch bereits massiven Schaden genommen hat. Sein Aufruf, „die gesamte Menschheitsfamilie in der Sache nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen”, ist von universaler Natur. Rausreden gilt also nicht.

Die Natur leidet durch die zunehmende „Wegwerfkultur” (man schaue dazu nur einmal in die riesigen Container des Wertstoffhofes in der Otto-Hahn-Straße) und der Mensch leidet an Orten, wo die Lebensqualität aufgrund von Vermüllung und gleichzeitiger Ausbeutung bestimmter Rohstoffe deutlich abnimmt. Man informiere sich einmal persönlich darüber, was die bei uns so viel gepriesene E-Mobiliät an einzigartigen Rohstoffen für ihre Batterien verschlingt. Insbesondere die Förderung von Lithium und Kobalt, für die Fabriken in ökologisch sensiblen Regionen in Südamerika und im Kongo entstehen, hinterlassen oft nur giftige Schlammwüsten oder Landstriche mit einem sinkenden Grundwasserspiegel, der etablierte Landwirtschaft oder Nutztierhaltung unmöglich macht.

Zu Recht weist die Enzyklika darauf hin, dass das ökologische Empfinden wachse, sich allerdings schädliche Konsumgewohnheiten nur wenig veränderen. In einer Schulandacht nach den Herbstferien erzählten mir viele Schüler von ihren Urlaubsreisen mit dem Flugzeug in wärmere Gefilde oder von Kreuzfahrten, die mittlerweile wohl zum Standardprogramm einiger „Wohlstandsfrüchtchen“ gehören. Natürlich gibt es vermehrte Widersprüche aus der Politik, wo sich gerade diejenigen, die sich besonders stark für den Klimaschutz einsetzen, besonders viel und gerne fliegen oder mal eben nach Grönland jetten, um die Auswirkungen des Klimawandels mit eigenen Augen zu sehen. Mit größerer Weisheit verbindet Papst Franziskus das Prinzip des Gemeinwohls mit einer generationenübergreifenden Gerechtigkeit und legt dabei großen Wert auf Rechtstaatlichkeit und gutes Regierungshandeln. Jedoch ohne existentielle Veränderungen bei uns und unserem Lebensstil sowie einer neuen Spiritualität wird die Wende zu einer wirklich ganzheitlichen Ökologie nur schwerlich gelingen. Die Enzyklika, die ich für ein besonderes Leseerlebnis mit einem „Hallo-Wach-Faktor” halte, endet mit zwei Gebeten.

Eines davon, ein „Gebet für unsere Erde”, ist hier zum persönlichen und gemeinschaftlichen Gebrauch abgedruckt.

von Thomas Kersten

Gebet für unsere Erde



Allmächtiger Gott.
Der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert,
mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten.

Überflute uns mit Frieden,
damit wir als Brüder und Schwestern leben
und niemandem schaden. 
Gott der Armen, hilf uns,
die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,

die so wertvoll sind in deinen Augen, zu retten.

Heile unser Leben, damit wir
Beschützer der Welt sind und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.

Rühre die Herzen derer an, die nur Gewinn suchen auf Kosten der Armen und der Erde.
Lehre uns, den Wert von allen Dingen zu entdecken und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind
mit allen Geschöpfen auf unserem Weg
zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
Ermutige uns bitte in unserem Kampf
für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

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