Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 5. Mai. 2020 17:59 Uhr

Mein Leben hat sich in den letzten Monaten völlig verändert. Schon der Berufswechsel von einer zahnmedizinischen Fachangestellten zur Küsterin war für mich ein großer Sprung. Mit viel Freude habe ich im Januar begonnen und erste Gemeindeglieder persönlich kennengelernt. Es war sehr schade, als dann im März die Gottesdienste abgesagt werden mussten. Besonders habe mich nämlich immer auf die Sonntage gefreut, wenn wir alle nach dem Gottesdienst bei Kaffee und Keksen unsere Gespräche führen konnten.

Meine Schwester teilt mein Schicksal. Sie musste bei ihren Kindern zu Hause bleiben. Als die Kontaktverbote in Kraft traten, kam ihr die Idee, für unsere Familie Mund-Nasen-Masken zu nähen. Dies kam bei allen sehr gut an. Meine Schwester ist bei der Freiwilligen Feuerwahr Nordhorn aktiv. Sie fragte den stellvertretenden Ortsbrandmeister, ob auch dort Mund-Nase-Masken für den Einsatz gewünscht werden. Prompt bekam sie den Auftrag, 100 Masken herzustellen. Da wusste ich, dass meine Schwester Hilfe benötigen würde und ich fand eine sinnvolle Aufgabe während des Kontaktverbots. Zusammen nähten wir in drei Tagen die Mund-Nase-Masken.
Über das Internet versuchten wir, an Spenden wie Baumwollstoff, Nähgarn und Elastikbänder zu kommen. Wir fanden schnell einige Mitmenschen, die gerne das benötigte Material spendeten oder für ein paar genähte Masken das Material abgaben.

Als die Freiwillige Feuerwehr Nordhorn mit genügend Masken eingedeckt war, überkam uns ein erfüllendes Gefühl, etwas Sinnvolles in einer Krisensituation getan zu haben. Meine Schwester und ich entschieden, weiter zu nähen. Wir boten Freunden und Bekannten unsere Mund-Nase-Masken an. Dies war bei allen gern gesehen und willkommen. Wir bekamen Material gespendet, um weiter nähen zu können. Meine Schwester stellte vor ihrer Haustür einen Kasten mit den Masken, und jeder konnte sich bedienen.

Am schönsten fand ich das Gefühl, als an einem Freitagabend eine ältere Dame klingelte und nach Mund-Nase-Masken fragte. Wir suchten schnell passende Masken heraus, gaben sie ihr und sie überreichte uns etwas für unsere Mühe. Was mich aber am meisten berührte, waren ihre warmherzigen Worte. Sie bedanke sich herzlich für unser Engagement, und die Tatsache, dass wir auch an alle denken würden. Diese Idee der Mund-Nase-Masken für jeden war in Ihren Augen wundervoll.
Als ich später mit meiner Schwester über die Dame sprach, waren wir uns einig, dass ein herzliches Dankeschön in diesen Tagen wertvoller ist als alles andere.
Inzwischen will auch mein siebenjähriger Neffe nähen lernen, um anderen Gutes zu tun. Nun sind meine Schwester und ihr ältester Sohn ein Nähgespann.

von Julia Deiters

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