Veröffentlicht von Simon de Vries am Mi., 17. Jun. 2020 14:24 Uhr

„Musica ist das beste Labsal eines betrübten Menschen, dadurch das Herze wieder zufrieden, erquickt und erfrischt wird.“ (Martin Luther)

Es liegen gesellschaftlich, wirtschaftlich und kulturell schwere und bewegte Zeiten hinter uns allen. Die Musikausübung ruhte lange Wochen vollständig. Die Bläser und Sänger in unseren Chören können seit Mitte März nicht mehr proben, ein geplanter Kantatengottesdienst in der Kreuzkirche musste kurzfristig ausfallen, ein Datum für die Wiederaufnahme des Probenbetriebes ist aktuell noch nicht in Sicht und die Bedingungen eines solches Wiederbeginns sind zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels noch völlig unklar. Gerade dort, wo die Musik besonders die Funktion hat zu „erquicken“ und die Seele aufzurichten, schmerzt ihre Abwesenheit besonders: in unseren Kirchen.

Glücklicherweise gibt es heute digitale Möglichkeiten, um zumindest ein Stück weit die Musik in die Herzen der Hörer gelangen zu lassen, wenngleich stets bewusst sein muss, dass die digitale Kreation und Rezeption – so kreativ sie auch sein mag – nur ein unvollkommener Ersatz sein kann.

Einige dieser digitalen Möglichkeiten habe ich in den letzten Wochen verstärkt genutzt und dabei Plattformen und Formate kreiert und/oder bestehende ausgeweitet. Seit einiger Zeit verwalte ich z. B. einen – vor der Pandemie nur in geringem Umfang genutzten – YouTube-Kanal. In der Vergangenheit habe ich dort bereits ausgesuchte Choraufnahmen der Lutherischen Kantorei veröffentlicht, teils als Videoaufnahme, teils mit Standbildern. Seit März finden sich dort weiterhin Orgel-Videoaufnahmen meiner Schülerin Constanzia Schumacher. Ein ca. 40-minütiges „virtuelles Orgelkonzert“ mit Johann Sebastian Bachs „Acht kleinen Präludien und Fugen“ samt musikwissenschaftlicher Einführung und Werkerläuterungen ergänzt das Angebot an Orgelmusik. Zu Ostern haben meine Frau und ich einen kleinen Ostergruß („Christ ist erstanden“, EG 99) in unserem Garten und an unserer Heimorgel produziert und aufgenommen. Und jüngst sind „virtuelle Choraufnahmen“ des Bach-Chorals „Vater unser im Himmelreich“ und des bekannten „Heilig, heilig, heilig“ von Franz Schubert in der Kreuzkirche entstanden, die ebenfalls dort abrufbar sind. Viele dieser Beiträge findet man auch auf dem YouTube-Kanal „Luthersöhnchen“, den Pastor Simon de Vries betreibt. Dort sind auch Orgel-Videos unserer Organisten Günter Wolf und Hannegret Tjahjadi zu finden.

Ohne Bilder, dafür aber nicht minder abwechslungsreich und qualitätvoll gestaltet sich das rein auditive Musikangebot. Auf dem Audio-Portal „SoundCloud“ finden sich im Kanal „Lutherisch in Nordhorn“ diverse Orgel- und Choraufnahmen, teils zu bestimmten Sonn- und Festtagen der vergangenen Zeit zusammengestellt und nach inhaltlichen und klanglichen Gesichtspunkten kuratiert. Die Inhalte meines privaten SoundCloud-Kanals sind ebenfalls dort verlinkt und so einfach und „aus einer Hand“ abrufbar. Auf diese Weise kommt dort eine mehrere Stunden lange Musikauswahl zusammen, zum einen bestehend aus Aufnahmen, die in den letzten fast zehn Jahren meiner Diensttätigkeit in Nordhorn entstanden sind, und zum anderen aus Neuproduktionen während der Corona-Pandemie.

Viele dieser Aufnahmen sind auch über die Facebook-Seite unserer Gemeinden sowie – in geringerem Umfang – hier auf unserer Kirchen-Homepage abrufbar oder es befinden sich dort Links zu den oben bereits aufgeführten Portalen. Natürlich doppeln sich die Angebote, aber durch diese Dopplung vergrößert sich auch die Zahl derjenigen Menschen, die erreicht werden können und denen die Kirchenmusik ein Herzensanliegen ist. 

Man kann nicht oft genug betonen, dass all diese digitalen Angebote – hoffentlich! – nicht die alleinige Zukunft der Kirchenmusik darstellen, denn sie können das leibhaftige und gegenwärtige Erleben nicht ersetzen. Sie vermögen aber vielleicht in dieser Zeit einen kleinen Beitrag zu leisten, dass die Musik „das beste Labsal“ eines und einer jeden bleiben möge, „dadurch das Herze wieder zufrieden, erquickt und erfrischt wird“. 

(von Jens Peitzmeier)

Kategorien Musik und Konzerte