Veröffentlicht von Doris Hüls am Fr., 17. Jul. 2020 10:24 Uhr

Morgens kann ich mich häufig nicht daran erinnern, dass ich geträumt habe. Hin und wieder wache ich aufgewühlt auf, weil ich im Traum in eine Situation einer Sprachprüfung an der Universität zurückkatapultiert wurde. Schweiß perlt dann über meine Stirn. Erst im zweiten Anlauf hatte ich die Prüfung bestanden. Manches setzt sich wohl fest.

Träume geschehen im Schlaf und therapeutisch wird der Traum in der Tiefenpsychologie genutzt. Es war Sigmund Freud, der entdeckte, dass im Traum bestimmte Signale aus der Tiefe der menschlichen Existenz hochkommen.

Die Bibel kennt zwei unterschiedliche Arten von Träumen: Im sogenannten Botschaftstraum gibt Gott in direkter Rede eine Weisung. Der symbolische Traum hingegen will oder muss eine Deutung erfahren. Jakob allerdings versteht seinen Traum auch ohne Deutung. „Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr der Herr ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht.“ (Gn.28,16).

So faszinierend und herausfordernd der flüchtige Traum auch sein mag, kann er eine Form sein, durch die Gott mit den Menschen verkehrt. Gleichzeitig fordert er aber auch in Abgrenzung zu anrüchigen Wahrsagern und falschen Propheten zu einer Abwehrhaltung und klaren Distanzierung auf. Jeremia führt aus: „Ich höre es wohl. Dass die Propheten reden, die Lügen weissagen in meinem Namen, und sprechen: Mir hat geträumt, mir hat geträumt.“
(Jeremia 23,25).

Neutestamentlich ist der Traum des Josef von großer Bedeutung. Ohne seinen gnadenhaft weisheitlichen Traum hätte er sich wohl auch vor der Geburt Jesu aus dem Staub gemacht, denn die Vaterschaft war ja bereits zuungunsten seiner Person entschieden worden: „Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn
befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er
berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und der gab ihm den Namen Jesus.“ (Matthäus 1,25)

Träume sind eben nicht immer Schäume. Manchmal

führen sie direkt gen Himmel und eine neue Welt tut sich auf.

von Thomas Kersten

Kategorien Themenschwerpunkt