Veröffentlicht von Doris Hüls am Do., 20. Aug. 2020 10:35 Uhr

An meinen ersten Gottesdienst im Januar 2005 erinnere ich mich noch recht gut. Die beiden mit viel Liebe geschmückten Weihnachtsbäume in der Kreuzkirche hatten kaum Nadeln verloren. Damals gab es also auch in Nordhorn noch echte Winter und der Umzug aus Kanada in die Grafschaft fiel von daher nicht besonders schwer.
Was mit weihnachtlicher Stimmung begann, endet nun am Reformationstag dieses Jahres. Dann werde ich am 31.10.2020 nach guten 15 Jahren im Pfarrdienst aus der Christus- und Kreuz-Kirchengemeinde offiziell verabschiedet.

Im Rückblick gibt es für mich vor allem viel Anlass und Grund zu danken. In einer so großen Gemeinde ist es nicht selbstverständlich, dass Ehrenamtliche und Hauptamtliche gut miteinander arbeiten, sich Freiräume lassen und einander die Freiheit und das Vertrauen schenken, jeweilige Gaben und Talente einzubringen sowie neue Kompetenzen zu entwickeln und auszubauen. Dass mich das Thema Bauen, Umbauen, Verkauf von Grundstücken und Gebäuden sowie Kirchensanierung einmal so beschäftigen würde, hatte ich anfangs nicht gedacht. Als neuer Vorsitzender der frisch fusionierten Christus- und Kreuz-Kirchengemeinde lag als einer der ersten Tagesordnungspunkte überhaupt die Sanierung der Toilettenanlage (überhaupt nicht unwichtig) im Gemeindehaus der Christuskirche an. Der Männerkreis war hier äußerst hartnäckig. Das Bauen und Sanieren hatte auch in der Folgezeit kein Ende. Das im Jahr 2008 erbaute Gemeindehaus an der Kreuzkirche ist ein kleines Schmuckstück.

Die Michaeliskirche in Klausheide sowie die Kreuzkirche in Nordhorn haben im Laufe der Jahre eine Grundsanierung erfahren und alle Arbeit gemeinsam mit den Mitgliedern des Bauausschusses und den Handwerkern vor Ort hat sich gelohnt. Nun steht auch der Abschluss des Glockenprojekts unmittelbar bevor und neben den zwei reparierten Glocken wird eine neue Glocke zum Gottesdienst einladen.

Die gemeindlichen Gebäude werden auch zukünftig einer besonderen Pflege und Aufmerksamkeit bedürfen und bei allen derzeitigen Entwicklungen, wie Rückgang von Gemeindegliederzahlen und damit einhergehenden finanziellen Möglichkeiten, ist der Standort Nordhorn als Ganzes noch einmal völlig neu in den Blick zu nehmen. Ohne kleine und große Menschen taugen nämlich die schönsten und auch ältesten Gebäude nichts. Dankbar bin ich über sehr viele Menschen, die in Nordhorn die unterschiedlichsten Gottesdienste besucht und liebevoll mitgestaltet haben. In der Tat mangelt es dieser Gemeinde nicht an gottesdienstlicher Vielfalt.

Gottesdienste für die Kurzen und Kleinen, die Thomas-Messen (von denen eine besonders feurig war), Konfirmationen, Kunst und Kultur als Predigtaufhänger, Passionsandachten von Ehrenamtlichen, Urlaubskirche mit Klappstuhl und Pool, wunderbare Kantatengottesdienste mit der Kantorei oder musikalische Gottesdienste mit Posaunenklang sind ein besonderes Geschenk gewesen. Aus gegebenem Anlass haben für mich in den letzten zwei Jahren auch Krabbelgottesdienste am Heiligen Abend wieder an Bedeutung gewonnen.

Seelsorglich lagen mir in meiner Dienstzeit besonders die Trauernden und Beladenen am Herzen, vor allem  auch Menschen in den Pflegeheimen, die manchmal viel zu schnell in Vergessenheit geraten. Auch diese gehören ja weiterhin zur Gemeinde und ohne die Frauen und Männer unseres Besuchsdienstkreises sowie mancher Lektoren wäre die Arbeit nicht annährend zu bewältigen gewesen.

Besonders viel Freude hat mir auch die allerkleinste Gemeinde in der Gemeinde bereitet. Unsere Nordhorner Kitas, die mittlerweile in einem Verband geführt werden, sind ein wahrer Schatz, und meine Besuche des Bergland-Kindergartens in Bookholt zur regelmäßigen Andacht oder zur Bibel- und Waldwoche waren rundum erfüllend.

Rund 600 Mal kommen Kinder in der Bibel vor und wenn man Kita-Kindern von Noah, David, Johannes, Maria oder Jesus erzählte, dann hörten sie gebannt zu und konnten sich von Herzen freuen, wenn sie verstanden hatten, dass Jesus wieder einen Menschen gesund oder sehend gemacht hat.

Sehenden Auges hat Nordhorn auch die Ökumene im Blick. In Klausheide wird eine Kirche von drei Konfessionen genutzt, und über das Kloster Frenswegen ist häufig genug berichtet worden. Die ökumenische Kita Arche NOaH auf dem ehemaligen Nino-Gelände geht in wenigen Wochen an den Start und die Mitarbeit am religionspädagogischen Profil hat mir noch einmal verdeutlicht, dass wir auf das Gemeinsame setzen sollten, ohne unsere eigene Traditionen gering zu achten.  

Es wäre zu wünschen, dass man im ökumenischen Miteinander noch mehr wagt, sich gegenseitig weiter unterstützt und miteinander den Glauben feiert. Die gemeinsame Mahlfeier am Tisch des Herrn ist dazu nötiger denn jemals zuvor und vielleicht auch gar nicht mehr so weit entfernt.

In besonders schöner Erinnerung sind mir die Begegnungen mit unserer Partnergemeinde in Olbernhau. Gasfreundschaft und Herzlichkeit sind gute christliche Tugenden, welche die Seele haben aufleben lassen. Gerade zu Erntedank ist das Erzgebirge mit den prachtvoll geschmückten Kirchenräumen eine Wohltat für Geist und Gemüt.

Weiterhin haben uns die Begegnungen mit unseren Glaubensgeschwistern aus Tansania gelehrt, dass Kirche auch unter ganz anderen Voraussetzungen mit großer Freude und Überzeugung möglich sein kann. Diese von Herzen kommende Glaubensfreude dürfte an der einen oder anderen Stelle etwas mehr zu uns herüber schwappen.

Natürlich ist mir nicht alles gelungen und sicherlich hat es auch schwierige Phasen in den letzten 15 Jahren gegeben, insbesondere wenn es um Personalfragen im Gemeindebüro oder in den Kitas ging. Da, wo ich säumig geblieben bin, möge man mir verzeihen.

Ich bin sehr gerne Pastor in dieser Gemeinde gewesen und durch die Arbeit mit den Kollegen und Kolleginnen sowie allen Mitarbeitenden vor Ort und in der Ökumene habe ich mich nie als Einzelkämpfer gefühlt oder verstanden.

Der Abschied aus Nordhorn fällt mir nicht leicht, aber ich bin mir gewiss, dass wir im Glauben und im Gebet weiter miteinander verbunden bleiben. Am 13.12.2020 werde ich in der Hoffnungskirche in Westrhauderfehn in mein neues Amt als Superintendent des Kirchenkreises Rhauderfehn eingeführt. In dieser 1848 erbauten Kirche ist das Schiffsmodell „Hoffnung“ zu finden. Bei meiner Aufstellungspredigt im Juni hat es mich gleich in seinen Bann gezogen und an eine Strophe eines bekannten Liedes erinnert: „Im Schiff, das sich Gemeinde nennt, muss eine Mannschaft sein, sonst ist man auf der weiten Fahrt verloren und allein. Ein jeder stehe, wo er steht, und tue seine Pflicht, wenn er sein Teil nicht treu erfüllt, gelingt das Ganze nicht. Und was die Mannschaft auf dem Schiff ganz fest zusammenschweißt in Glaube, Hoffnung, Zuversicht, ist Gottes guter Geist.“ Dieser gute Geist Gottes möge Sie alle auch weiterhin leiten und beschützen. Bleiben Sie gut behütet.

Ihr Pastor Thomas Kersten 

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